| Freitag, 9. Dezember 2005 - Die Forschungsgruppe um Frau Dr. Brigitte Nina Sturm vom Department of Medical Chemistry an der MedUni Wien hat ein Paper mit dem Titel „Die Wirkung von rekombinantem menschlichen Erythropoietin (rhuEPO) auf die Frataxin-Expression in vitro“ veröffentlicht. Hier eine kurze Zusammenfassung.
Erythropoietin ist seit längerem für seine Schlüsselrolle bei der Erythropoese (Blutbildung) sowie bei der Hämoglobinsynthese, dem Molekül das für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist und Eisen als zentrales Atom enthält (erzeugt die rote Farbe der Erythrocyten und somit des Blutes) bekannt. Kürzlich wurde entdeckt, dass EPO neuro- und cardio(Herz)protektive Eigenschaften hat, wobei die biologischen Mechanismen noch unklar sind.
Vor kurzem berichteten STURM et al., dass rhuEPO die Expression von Frataxin stimulieren kann. Für die Experimente wurden drei verschiedene Zelltypen verwendet: Primäre Lymphozyten, isoliert von sieben FRDA Patienten, Primärkulturen von Herzmuskelzellen von Herztransplantationspatienten die nicht an FA leiden, und Zellen einer neuronalen Zelllinie (Nervenzellen). Dabei stellte sich heraus, dass die Wirkung von rhuEPO die Expression von Frataxin in allen verwendeten Zelltypen (somit auch in den Zellen der FA Patienten) um das 2 bis 3fache steigern konnte. Bei den neuronalen Zellen konnte ein Anstieg der Frataxinproduktion schon nach einer Stunde Inkubation mit rhuEPO gemessen werden. Damit sollte der intensiveren Forschung mit rekombinantem menschlichen Erythropoietin an Heilungsmethoden der FA eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Kommentar von Fr. Dr. Sturm: Unsere Forschungsgruppe bereitet momentan, basierend auf unsere Untersuchungen, eine klinische Studie vor, die im Frühjahr 2006 beginnen soll. Dabei wird an einer kleinen Gruppe von FA Patienten durch die Gabe von rhuEPO (über einen längeren Zeitraum) der Einfluß von rhuEPO auf verschiedene neurologische und hämatologische Parameter untersucht. Der Vorteil an rhuEPO liegt unter anderem darin, dass diese Substanz schon seit Jahrzehnten zur Therapie von Anämien (Blutarmut) verwendet wird. Wir hoffen, dass diese Studie Aufschluss über eine mögliche Therapie von FA Patienten mit rhuEPO gibt.
Falls FA-Patienten Interesse haben, sich an dieser Studie zu beteiligen, kontaktiert bitte Fr. Dr. Sylvia Boesch - Sylvia.Boesch@uibk.ac.at
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